Manchmal muss man auf eine Reise gehen,
um anzukommen.

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Willkommen im "Café Helsinki"!

Natürlich wird es hier nicht nur um Finnland und die Herzensstadt aus "Liebten wir" gehen, aber nach und nach wird es hier viele Zusatzinfos und Berichte geben: über den Tango und sonstige finnische Besonderheiten, Filme von der Recherchereise, Buchtipps, Betrachtungen und einiges mehr. Und natürlich serviere ich hier auch alle Neuigkeiten zum Buch!





10.09.16: 5 Fragen an Tarja Prüss

Tarja Prüss
Heute ist es mir eine besondere Freude, eine ganz besondere Autorin, Fotografin, Journalistin und Moderatorin vorzustellen. Finnland-Fans werden sie längst kennen, denn auf ihrem Blog www.tarjasblog.de fühlt sie den Puls des Landes und gewährt ihren Lesern Einblick in die finnische Seele, die Lebensart und die Traditionen dieses Landes. Vor ein paar Tagen ist nun auch ihr Finnland-Buch erschienen und ich finde, es ist einfach großartig geworden. Authentisch, berührend und witzig, mit vielen Fakten, die man so noch nie gelesen hat. Für mich waren viele Kapitel echte Aha-Erlebnisse und wenn ich nur ein einziges Buch über Finnland verschenken dürfte, dann wäre es dieses! Mehr zum Buch unter www.schwarzkopf-verlag.net.
Und mehr zur Autorin hier im Interview:



Liebe Tarja, wie kam es zu diesem Buch?
Es war ein absoluter Glücksfall! Seit drei Jahren schreibe ich mir mit großer Begeisterung meine Leidenschaft für Finnland auf meinem Blog von der Seele. Der Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf in Berlin suchte für seine Serie "111 Gründe, das Land xy zu lieben" Autoren für die nordischen Länder - und durch meinen Blog wurden sie auf mich aufmerksam. So kam eins zum anderen und ich bin sehr dankbar, dass ich das Buch schreiben durfte, zumal es schon länger ein heimlicher Wunsch war, meine Erlebnisse in Finnland irgendwann einmal auch in Buchform zu veröffentlichen. Der Blog ist bis heute ein Geschenk an die Welt. Ich verdiene kein Geld damit, insofern ist das Buch die schönste Belohnung, die ich mir vorstellen kann.

Verrätst du uns, welches Thema oder Erlebnis darin für Dich zu einem Lieblingskapitel geworden ist?
Mmh, das ist wirklich schwierig zu beantworten. Zu den Lieblingsgeschichten gehören sicher die magischen Polarlichter und der Besuch beim Weihnachtsmann. Aber auch so manche unverhofften Begegnungen mit Finnen und Samen, die mich sehr beeindruckt haben. Sehr viel Spaß gemacht hat mir beim Schreiben das Kapitel über die Mentalität und Verrücktheiten der Finnen. Diese für mich so liebenswerten Eigenschaften herauszuschälen und auf den Punkt zu bringen, da habe ich oft in mich reingekichert am Schreibtisch.

Hat sich das Schreiben des Blogs vom Schreiben des Buches für Dich sehr unterschieden? Und wenn ja, inwiefern?
Der Blog hat sich einfach entwickelt. Zunächst war er ja nur als eine Art Reisetagebuch für Freunde gedacht. Insofern fiel mir das Schreiben leicht.
Beim Buch war die Hürde plötzlich viel höher: für wen schreibe ich da eigentlich? Was muss zwingend alles rein? Und wie persönlich darf es, soll es sein?
Als Radio- und TV- Journalistin bin ich außerdem gewohnt, alles in maximal zwei Minuten zu erklären und plötzlich liegen da 300 weiße Seiten vor einem! Da bekommt man schon ganz schön Respekt!
Hinzu kam die ganze Planung in Kapitel und Unterkapitel. Beim Blog kann ich einfach mal los schreiben und es gibt keinerlei Vollständigkeitsanspruch. Ein Endlosprojekt sozusagen, an dem ich immer wieder weiter schreiben kann. Das führt automatisch zu einer gewissen Leichtigkeit, die man beim Buchschreiben erst einmal entwickeln muss. Denn das hat bekanntlich Anfang und Ende, die Gliederung erfordert eine Menge Vorarbeit und vergessen will man um Gottes willen auch nichts. Es soll sich ja schon ein rundes Bild von "meinem" Finnland ergeben. Das war schon eine ziemliche Herausforderung.
Ähnlich schwierig erwies es sich mit der Auswahl der Bilder: der Blog bietet eine endlose Spielwiese und mein digitales Archiv umfasst mittlerweile rund 40.000 Fotos. Im Buch sollte nun ganz Finnland auf 32 Fotoseiten unterkommen. Da fiel die Auswahl entsprechend schwer. ;-)

Fotografie und Schreiben - haben diese beiden Ausdrucksformen für Dich eine Verbindung?
Beides hat sehr viel mit mir selbst zu tun.
Mit einem Klick kann ich schöne einzigartige Momente festhalten und sie mit anderen teilen. Ich kann meinen Blick, meine Perspektive, meine Stimmung transportieren. Im Idealfall erzählt ein gutes Foto bereits eine Geschichte. Beim Schreiben über Finnland passiert ähnliches: auch da versuche ich Landschaften, Erlebnisse und Gefühle in Worte zu fassen, erlebbar zu machen, die Menschen mit zu nehmen auf meine Reisen. Und eins der schönsten Komplimente ist jedes Mal, wenn Leser mir genau das bestätigen. Dass sie das Gefühl haben, dabei zu sein, mit zu reisen.
Da, wo die Worte enden, hilft mir die Fotografie - und umgekehrt: wo die Fotografie an ihre Grenzen kommt, helfen mir die Worte. Insofern eine perfekte Ergänzung. :-)

Hast du einen Tipp für uns, was man bei einem Besuch in der finnischen Hauptstadt Helsinki auf keinen Fall versäumen sollte?
Wer das erste Mal nach Finnland kommt, sollte auf jeden Fall den Hafen besuchen - hier beginnt Finnland für mich: die gigantischen Fährschiffe am Ufer, das typische Markttreiben mit den kleinen improvisierten Open Air Cafés, wo es nach Meer riecht und man die Möwen schon von weitem hört und gleich nebenan die kauppahalli, die alte Kaufhalle: dort kann man schon ein Stück finnischer Lebensgefühl erleben, wenn man in den Mini-Lokalen eine Lachssuppe oder Lettu (Pfannkuchen) probiert.
Im Sommer für mich das ultimative Helsinki-Gefühl: auf den Treppen des Doms sitzen und einfach die entspannte Atmosphäre genießen, am Besten mit dem Lieblingsgetränk der Finnen: Kaffee! Apropos: sehr schön sind auch die süßen kleinen Sommercafés am Töölönlahti (die Bucht im Stadtteil Töölö), wo man unbedingt die selbstgerechten Korvapuusti (Hefebäck mit Kardemom, Zimt und Zucker, auch Pulla genannt) probieren sollte. Und dann vielleicht einen Sprung in den Kaivopuisto, einem Park am Meer, auf den Felsen sitzen und aufs Wasser schauen....
Ansonsten einfach gern mal in meinem Blog stöbern...:-)
Und abends - klar - in die Sauna ... finnischer als Sauna gehts kaum: entspannen, Kopf auslüften und zur Ruhe kommen. Spätestens dann ist man angekommen: mitten im finnischen Lebensgefühl.

Liebe Tarja, vielen Dank für das Interview!

01.08.15: Herz an Herz mit Aliens

"Haben Sie beim Schreiben ein Vorbild?" Diese Frage wird mir ganz häufig gestellt. Tja, habe ich eines? Wohl eher viele, bei denen ich lesend in die Lehre gegangen bin. Natürlich F. M. Dostojewskij - seine Meisterschaft in Sachen Figurenzeichnung, die Art, wie er jeder Person eine ganz eigene Stimme gibt! Die bildgewaltigen Stimmungen in Theodor Storms Werken. E.T.A. Hoffmann und Lovecraft (niemand lockt die Gänsehaut im Nacken und die Furcht vor der Dunkelheit geschickter herbei). Es gibt Ray Bradbury und John Shirley - vor allem aber gab und gibt es Theodore Sturgeon! Was genau an seinen Werken so faszinierend ist und mich bis heute im eigenen Schreiben begleitet, durfte ich für den Blog der Ullstein-Verlage in einer kleinen Hommage erklären. Ganz besonders schön ist es, dass auch eine der bekanntesten Horrorstorys aus Sturgeons Feder in voller Länge auf dem Blog zu lesen ist: "Biancas Hände"! Diese Story kann man mit all ihren dunklen und hellen Facetten in einer sensationell schönen Darstellung erleben - als "Scrollytelling" von Lucas Humann. Bereit? Dann willkommen in Sturgeons Kosmos auf www.resonanzboden.com!

05.07.15: Finne in Ausbildung: Im hohen Norden mit Dieter Hermann Schmitz

"1. Donnerstags Erbsensuppe essen! Allwöchentlich. Schon ab Mittwoch Appetit auf Erbsensuppe aufbauen. 2. Am Freitag eine Flasche Wodka saufen. 3. Finnischen Tango lernen. Nicht nur die Schritte beherrschen, sondern die Musik in den Gliedern spüren und im Herzen fühlen. Im Sommer einen lavatanssit (eine typisch finnische Tanzveranstaltung) besuchen."
Das sind nur drei der sieben Feuerproben, die der Rheinländer Hermann angehen will, um endlich ein richtiger Finne zu werden. Dazu kommen noch Herausforderungen wie Karaoke-Singen, auf Elchjagd gehen, mit dem Hundeschlitten durch Lappland fahren und last, but not least: "die finnische Staatsbürgerschaft erlangen". Dokumentiert ist diese hoch vergnügliche Schnitzeljagd in dem Buch "Die spinnen, die Finnen" von Dieter Hermann Schmitz. Ob Schmitz selbst für die Hauptfigur in diesem turbulenten Selbstfindungstrip Pate gestanden hat, verrät das Buch natürlich nicht, doch Ähnlichkeiten sind nicht von der Hand zu weisen. So haben Autor und Hauptfigur beide eine finnische Ehefrau und zwei Kinder im Teenageralter. Und auch Katze Fiona gibt es zweifach - zwischen Buchdeckeln und im realen Leben.

"Die spinnen, die Finnen"
Dieter Hermann Schmitz wollte Anfang der Neunziger in Finnland eigentlich nur eine berufliche Zwischenstation einlegen: als Lehrer im Goethe-Institut von Tampere. Aus dem einen Jahr ist inzwischen ein Leben als Wahlfinne geworden. Schmitz unterrichtet Übersetzungswissenschaft an der Universität in Tampere, ist Verfasser von Lehrwerken sowie wissenschaftlichen Fachartikeln und schreibt zudem humorvolle Kurzgeschichten und Krimi-Novellen. In "Die spinnen, die Finnen - Mein Leben im hohen Norden" findet sich alles davon wieder: Wissenschaft (viele Infos über die finnische Sprache und Geschichte), Humor (pointiert und hinreißend schräg!), die romanhafte Odyssee eines Finnen in Ausbildung, die in ihrer Skurrilität und Feinsinnigkeit an vielen Stellen Loriot alle Ehre gemacht hätte. Und einen Hauch von Krimi-Spannung gibt es sogar auch. Das ist das Schöne an dem Buch: Es liest sich locker-flockig mit einem breiten Grinsen einfach gut weg - bietet dabei aber sehr viel Information, einen tiefgründigen Blick in Mentalitätsunterschiede und ein kluges Reflektieren über Heimat und Selbstverständnis.
Ich habe Schmitz' Betrachtungen sehr gerne gelesen und mich auf diesem Weg erstmals auf die Spur meiner männlichen Romanfigur begeben. Man könnte sagen, Dieter Hermann Schmitz ist Aartos Patenonkel. Auch deshalb freue ich mich besonders, dass der Autor mir heute hier ein Interview zum Buch gibt:

Lieber Herr Schmitz, in Ihrem Buch "Die spinnen, die Finnen" beschreiben Sie auf sehr amüsante und scharfsinnige Art den Prozess einer "Finnwerdung". Gehen Sie anders durch Leben, seit sie ganz offiziell ein Finne geworden sind?

Ich will es so sagen: Der Ich-Erzähler der Geschichte, mein Alter Ego, stellt sich eine Reihe von Aufgaben, um zum waschechten Voll-Finnen zu werden. Zum Teil bewältigt er diese Aufgaben mit mehr Glück als Verstand. Zum guten Schluss findet er seinen Seelenfrieden, wenn auch vielleicht aus anderen Gründen, als man anfangs vermuten könnte. Das Schreiben hatte für mich auch etwas Therapeutisches - wie wahrscheinlich bei jedem Autor, der mit Herzblut schreibt und eine sehr persönliche Geschichte erzählt. Der Erfolg des Buches, die vielen positiven Rückmeldungen und die Übersetzung ins Finnische haben mich gefreut. Ansonsten hat sich mein Leben aber nicht grundlegend geändert, familiäre Verhältnisse, Wohnort, Beruf usw. sind dieselben. Nur die Kinder werden erwachsen und unsere Mieze Fiona bekommt langsam graue Barthaare.

Es gibt eine Redensart, die besagt, dass finnische Männer "nicht küssen, nicht lachen und nicht sprechen". Haben Sie denn ein paar Tipps für das Flirten in Finnland?

Hier muss ich passen, denn ich habe noch nie mit finnischen Männern geflirtet. Was die finnischen Frauen angeht, darf Mann sich wahrscheinlich auf deren Selbstbewusstsein und Eigeninitiative verlassen.

Verraten Sie uns, welches Fettnäpfchen man als Tourist unbedingt vermeiden sollte?

Zu laut, zu aufdringlich, zu polternd oder besserwisserisch auftreten!

Haben Sie eine Erklärung (oder Vermutung), woher das finnische Faible für skurrile Wettbewerbe kommt?

Finnland ist eine späte Nation, jahrhundertelang war es Hinterland des schwedischen Königreichs, rund ein Jahrhundert Teil des russischen Zarenreiches, also historisch lange bedrängt und beherrscht von starken Mächten in West und Ost. Hinzu kommt eine ungewöhnliche Sprache, die nichts mit den skandinavischen, aber auch nichts mit den slawischen Sprachen zu tun hat. Während des II. Weltkriegs war Finnlands junge Unabhängigkeit bedroht. Das alles hat dazu beigetragen haben, dass man ein "Wir sind wir"-Denken entwickelt hat, genauer ein: "Wir müssen wir sein, damit unsere Sprache, unser Volk, unsere Kultur nicht unterzugehen". Um etwas Eigenes zu sein, um sich abzusetzen oder manchmal sogar ein bisschen aufzufallen, darf und muss man anders sein als die anderen. Und es gehört zum finnischen Selbstbild dazu, ein wenig schräg und eigenartig zu sein. Das wird sogar in der Werbung eingesetzt: Es gibt einen bekannten Werbespot für Salmiak-Eis, bei dem Asiaten, Schwarzafrikaner, Amerikaner und andere ein Eis probieren und angewidert ihr Gesicht verziehen. Zum Schluss kommt ein Werbeslogan der Art: So ein Eis schmeckt nur uns! Und dass man hierzulande eine Vorliebe hat für Stiefel-Weitwerfen, Schlammfußball oder Luftgitarren-Spielen, gehört mit dazu. Nur eine kleine Minderheit nimmt an solchen Wettbewerben teil, aber eine große Mehrheit teilt die Ansicht, dass "wir Finnen" ein wenig seltsam sind.

Auf welche finnische Besonderheit würden Sie nie wieder verzichten wollen?

Ein Freund von Salmiak-Eis bin ich bis heute nicht geworden. Und die Sommer dürften gerne etwas länger und wärmer sein. Aber ansonsten gibt es wahrscheinlich tausende Kleinigkeiten, die ich vermissen würde, von Personen - Kollegen, Verwandten, Vereinsfreunden - den Landschaften und den Jahreszeiten einmal ganz abgesehen. Eine Besonderheit, die ich vermissen würde? Vielleicht das schaurig-gruslige Gefühl, wenn man im Winter spät abends im Wald Ski läuft, dass einem ein Wolf begegnen könnte. Oder wenn das Eis knackt, wenn man mit einem Tretschlitten über den zugefrorenen See gleitet. Abenteuer finden im Kopf statt. :-)

Vielen Dank für das Interview!



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